Tafel
 

Erfahrungsberichte

 

Erfahrungsbericht eines "Neuen"

 

Hallo, mein Name ist Leon, ich bin hochgradig schwerhörig und neu hier in der Schule und im Internat. Ich möchte Euch das Eine oder Andere über meine ersten Wochen hier in München erzählen: Da meine Heimat über 200 km von München entfernt ist, wohne ich von Montag bis Freitag im Internat. Mir gefällt es da sehr gut. Ich habe ein eigenes Zimmer, nette Jungs um mich herum und komme mit den Betreuern gut klar. In den letzten Wochen hat unsere Gruppe schon so einiges unternommen: wir waren auf dem Oktoberfest, sind mit Go-Karts auf der Kartbahn rumgerast und, und, und…. Einzig am Mittag, bevor die Studierzeit beginnt ist es mir meist ein wenig langweilig. Damit ich dann kein Heimweh bekomme, besuche ich häufig meine Klassenkameradin oben in der Mädchengruppe. In die Schule gehe ich natürlich auch jeden Tag. Wir sind nur wenige Schüler in der Klasse und ich fühle mich sehr wohl. Bei uns wird gleichzeitig gesprochen und gebärdet, was für mich trotz meines CI`s sehr wichtig ist. Gewöhnen muss ich mich noch daran, in jedem Fach einen anderen Lehrer / Lehrerin zu haben. Das kannte ich bisher nicht. Die Woche geht dann rasend schnell vorbei und ich freue mich jedes Mal wieder darauf, am Wochenende nach Hause fahren zu können. So richtiges Heimweh hat sich bei mir noch nicht eingestellt, nur jetzt - nach den Herbstferien - fällt es mir schon recht schwer, mich am Sonntagnachmittag wieder auf den Weg zu machen. So, das war`s von meiner Seite. Hier nun die Erfahrungen meiner Eltern: Wir als Eltern können uns auch nach einigen Wochen noch nicht wirklich daran gewöhnen, nur am Wochenende eine komplette Familie zu sein. Auch wenn wir nach wie vor hinter der Entscheidung stehen, dass Leon nun die Samuel-Heinicke-Realschule und das Internat besucht, fällt es uns sehr schwer, die neue Situation mit allem was dazu gehört, zu akzeptieren. Wir sind uns zwar sicher, dass Leon sowohl in der Schule als auch im Internat gut aufgehoben ist, dennoch fühlt man sich bei vielen Alltagsentscheidungen, die man zuvor selbst getroffen hat, nun "aussen vor". Komplett verändert hat sich auch die kurze Zeit des Wochenendes, das man zusammen verbringt. Es ist eine sehr viel intensivere Planung notwendig, um die wenige Zeit möglichst intensiv, gleichzeitig aber auch stressfrei nutzen zu können. Alles in allem hat sich unser Familienleben sehr stark verändert. Aber auch wenn wir jetzt viel weniger gemeinsame Zeit und Erlebnisse haben, bleibt für uns als Fazit: Veränderungen sind immer auch eine Herausforderung, der man sich stellen und daran wachsen kann. Wir bereuen unsere Entscheidung jedenfalls nicht und wünschen allen zukünftigen Schülern und Eltern „unserer“ Schule einen guten Start ins neue Schul - und vielleicht auch Internatsleben.

Leon, Antje und Burkard

 

Bericht einer Schülerin

 

Mein Name ist Mareike, ich bin 13 Jahre alt, habe einen Hörverlust von 80% und besuche seit September die Samuel-Heinicke-Schule in München. Die Entscheidung zu wechseln viel mir nicht leicht. Trotzdem bereue ich es mittlerweile, erst nach der 5. Klasse einer Hauptschule gewechselt zu haben, mit dem Hintergrund alleine den Weg gehen zu müssen. Jetzt sitze ich in der 6.Klasse und muss eine menge an 5. Klässler Stoff nachholen. Auch an die vielen verschiedene Fachlehrer muss ich mich erst mal gewöhnen. Eine sehr positive Meinung habe ich im Fach Deutsch, wo mir immer 2 Lehrer/innen zur Verfügung stehen und ich viel im hörenden aber auch im gehörlosen Bereich erfahren oder auch lernen kann. Die weite Entfernung von zu Hause bringt mich dazu, auch das Studienheim zu besuchen. Die verschiedenen Gruppen geben mir die Möglichkeit einen festen Platz in der großen Gemeinschaft zu finden. Aber auch wenn man Freunde in anderen Gruppen hat gibt es die Möglichkeit auch mit ihnen was zu unternehmen. An die Hausordnung und an den geregelten Tagesablauf muss man sich gewöhnen. Trotzdem würde ich gerne mehr selbst entscheiden z.B Wann ich lerne oder wie viel ich lerne. Auch wen das Internat nie meine Heimat werden wird, bin ich mir sicher, dass ich mit viel Wille und Unterstützung von meiner Familie auch diesen Weg schaffen werde.

 

Bericht von Eltern

 

Hallo, wir sind Karin und Wolfgang und die Eltern von 3 Kindern, im Alter von 13, 11 und 9 Jahre.
Unsere große Tochter Mareicke ist hochgradig schwerhörig. Die zweite Tochter ist 11 Jahre alt und besucht die normale Realschule.
Unser Sohn ist 9 Jahre und ist ebenfalls schwerhörig und besucht die von Lerchenfeld Schule in Bamberg.
Seit September 2010 besucht unsere große Tochter die Samuel Heinicke Schule in München. Die Entscheidung in welche Schule Sie gehen möchte haben wir ihr völlig frei gestellt, ihr jedoch versichert - egal welchen Weg sie nimmt - voll und ganz hinter ihrer Entscheidung zu stehen. Ich als Mutter habe mich sehr schwer getan, mit der Entscheidung meiner Tochter nach München zu gehen, einverstanden zu sein. Der weite Weg macht es mir unmöglich mein Kind unter der Woche zu sehen oder ihr in bestimmten Fällen zur Seite zu stehen. Auch wenn ich weiß, dass mein Kind in München gut aufgehoben ist, und im Internat für sie gesorgt wird, fehlt sie mir sehr. Dennoch bin ich weiterhin der festen Überzeugung mit ihr zusammen den richtigen Weg gefunden zu haben. Ich als Vater, der nur am Wochenende zuhause ist, weil ich unter der Woche im Ausland tätig bin, habe momentan weniger Schwierigkeiten mit dem Loslassen der Tochter, da sich für mich persönlich nichts ändert. Wenn ich am Freitag nach Hause komme, kommt meine Tochter auch nach Hause und ich habe meine Familie die ich unter der Woche vermisse um mir. Was ich als Vater von schwerhörigen Kindern nicht nachvollziehen kann ist, dass Eltern für eine vernünftige Schulbildung ihrer Kinder für diesen Schul-und Internatsaufenthalt auch noch finanziell belastet werden, da es keine andere Real- oder höher bildende Schule im Umkreis gibt. Trotzdem finde ich, dass meine Tochter den richtigen Weg eingeschlagen hat und werde sie immer unterstützen und hinter ihr stehen.

 

Karin und Wolfgang

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